Handball WM 2007 – ein Wintermärchen in Schwarz-Rot-Gold

Die 20. Handball Weltmeisterschaft der Herren, die vom 19. Januar bis zum 4. Februar 2007 in 12 deutschen Städten ausgetragen wurde, ging als „Wintermärchen“ in die Geschichte ein.

Diese Bezeichnung kam daher, da die im Juni und Juli 2006 ebenfalls in Deutschland durchgeführte Fußball-Weltmeisterschaft aufgrund der allgemein positiven Stimmung und des guten Auftretens der DFB-Auswahl unter Jürgen Klinsmann zum „Sommermärchen“ erklärt wurde.

Das wiederum leitete sich ursprünglich vom Gedicht Heinrch Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ab. Mit der erfolgreichen Handball-WM fand somit das „Wintermärchen“ wieder zu seinem Ursprung zurück.

Titelgewinn für Deutschland bei der Handball WM 2007

Im Gegensatz zum „Sommermärchen“, bei dem am Ende doch nicht das ganz große Happy End stand – Deutschland belegte bei der WM im eigenen Land schließlich Platz drei – endete das „Wintermärchen“ mit dem großen Paukenschlag und dem Titelgewinn für Deutschland.

Deutschland bei der Handball WM 2007

Dieser war im Vorfeld des Turniers zwar erhofft, aber sicherlich nicht erwartet worden. Zwei Jahre zuvor hatte die von Heiner Brand betreute deutsche Mannschaft bei der Endrunde in Tunesien lediglich Platz neun belegt und auch bei der Europameisterschaft 2006 reichte es mit Rang fünf ebenfalls nicht für eine Medaille.

1978 war Brand als Spieler unter dem jugoslawischen Coach Vlado Stenzel beim bislang letzten Weltmeistertitel für Deutschland mit dabei gewesen. Fast 30 Jahre später sollte er diesen Triumph selbst als Trainer wiederholen.
Niederlage gegen Polen in der Vorrunde

Aber zunächst nahmen ab 19. Januar 2007 insgesamt 24 Mannschaften die Vorrunde in Angriff. Deutschland startete mit einem 27:22-Erfolg über Brasilien gut ins Turnier und fixierte im zweiten Spiel mit einem 32:20-Sieg über Argentinien bereits vorzeitig den Aufstieg in die Hauptrunde.

Im letzten Gruppenspiel kam es zum Duell mit dem Mitfavoriten Polen und da setzte es eine knappe 25:27-Niederlage. Obwohl beide Teams bereits als Aufsteiger feststanden, blieb dieses Resultat nicht ohne Folgen, denn es wurde in die Hauptrunde mitgenommen und setzte die DHB-Auswahl unter Zugzwang.

Allerdings zeigten sich die Deutschen in der Folge souverän und ließen gegen Slowenien (35:29) und Tunesien (35:28) nichts anbrennen. Danach gab es im Duell mit den favorisierten Franzosen, die als regierender Europameister davor Polen mit 31:22 deklassiert hatten, einen 29:26-Sieg und zum Abschluss einen 33:28-Erfolg gegen die starken Isländer.

Trotz der Niederlage gegen die Franzosen sicherte sich Polen aufgrund des Vorrunden-Sieges über Deutschland den Gruppensieg und traf im Viertelfinale auf Russland, während es für Deutschland mit Titelverteidiger Spanien knüppeldick kam.

Dramatische Duelle gegen Spanien und Frankreich

Aber die deutsche Mannschaft setzte sich am 30. Januar 2007, gestützt auf einen überragenden Henning Fritz im Tor, vor 19.000 Zuschauern in der ausverkauften Kölnarena gegen den Mitfavoriten auf den WM-Titel mit 27:25 durch und erreichte das Halbfinale.

Zwei Tage später kam es abermals in Köln zum neuerlichen Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Frankreich. Nachdem die Deutschen sich bereits in der Hauptrunde gegen den Europameister durchgesetzt hatten, war dieses Duell an Dramatik nicht zu überbieten.

Zur Pause lagen die Franzosen – die im Jahr davor im EM-Finale Weltmeister Spanien mit 31:23 klar dominiert hatten – knapp mit 12:11 in Führung, nach Ende der regulären Spielzeit stand es 21:21. Kapitän Markus Baur hatte 12 Sekunden vor Schluss noch den Ausgleich erzielt.

Auch in der danach notwendig gewordenen Verlängerung lagen die Franzosen stets knapp voran, die Deutschen schlugen aber jedes Mal zurück. Nach dem Treffer zum 27:27 durch Holger Glandorf 30 Sekunden vor Schluss kam es auch in dieser Spielphase zu keiner Entscheidung.

Der deutsche Kader bei der Handball WM 2007

In der 2. Verlängerung gingen die Deutschen zunächst mit 30:29 und 31:30 in Führung und eine Minute vor Schluss verwandelte Baur einen Siebenmeter zum 32:31. Diesmal konnten die Franzosen nicht mehr antworten, es blieb beim knappen Sieg für Deutschland, das damit im Endspiel stand.

Und dort warteten ausgerechnet die Polen, gegen die Fritz, Baur, Hens & Co. in der Vorrunde die einzige Niederlage im Turnier erlitten hatten. Die polnische Mannschaft hatte sich im Viertelfinale gegen Russland mit 28:27 durchgesetzt und benötigte im Halbfinale ebenfalls zwei Verlängerungen, um Dänemark schließlich mit 36:33 niederzuringen.

Das Finale wurde zum Triumphzug

Nach den Siegen über Spanien und Frankreich war die Euphorie bei den Deutschen groß und so lief die Mannschaft am 4. Februar 2007 mit breiter Brust in die natürlich wieder restlos ausverkaufte Kölnarena ein.

Bereits nach neun Minuten lag Deutschland mit 7:3 recht deutlich voran und baute den Vorsprung bis auf 11:6 aus, ehe die Polen kurz vor der Pause noch auf 12:14 herankamen. Bis zur Pause zog die DHB-Auswahl aber auf 17:13 davon und vergrößerte den Vorsprung in der zweiten Spielhälfte auf 21:14.

Eng wurde es allerdings, als sich Henning Fritz, der zum besten Torhüter des Turniers ausgezeichnet wurde, verletzte und nicht weitermachen konnte. In dieser Phase kamen die Polen bis auf ein Tor heran, aber je zwei Treffer von Pascal Hens und Torsten Jansen brachte die Deutschen wieder mit 26:22 in Führung.

Diesen Vorsprung gab die Truppe von Heiner Brand nun nicht mehr aus der Hand und sicherte sich schließlich mit 29:24 zum insgesamt dritten Mal – nach 1938 und 1978 – den WM-Titel. Neben Henning Fritz wurde mit Rückraumspieler Michael Kraus ein zweiter deutscher Spieler für das All-Star-Team des Turniers nominiert.